Die anhaltende und angekündigte Wetterlage mit Kälte und zunehmenden Schneefällen im ganz Deutschland wirft aktuell viele Fragen bei Pferdebesitzern und Stallbetreibern auf. Gefrorene Tränken, glatte Paddocks oder der erhöhte Futterbedarf beschäftigen viele – zumal die aktuelle Kältephase bereits seit Weihnachten anhält.
Vorweg: Winter und Schnee sind für Pferde nichts Ungewöhnliches. Gesunde Pferde sind gut an Kälte angepasst. Entscheidend sind nicht Minusgrade allein, sondern Faktoren wie Nässe, Wind, Fütterung und Unterbringung. Mit wenigen klaren Maßnahmen lassen sich die meisten winterlichen Herausforderungen ruhig und sicher meistern.
1. Kälte & Schnee – wie robust sind Pferde wirklich?
Gesunde Pferde sind deutlich kälteresistenter als wir Menschen. Ihr Winterfell isoliert hervorragend, solange es:
- trocken bleibt
- nicht ständig plattgedrückt wird (z. B. durch falsches Eindecken)
Problematisch wird es weniger durch Kälte selbst, sondern durch Nässe, Wind, Futtermangel oder Stress.
Faustregel:
- Kälte + trocken + ausreichend Raufutter = meist unproblematisch
- Kälte + Nässe + Wind + Energiemangel = Risiko
2. Fütterung: jetzt der wichtigste Stellhebel
Bei tiefen Temperaturen steigt der Energiebedarf.
Das ist jetzt entscheidend:
- Raufutter ad libitum (Heu/Heulage): Die Verdauung erzeugt Wärme.
- Bei sehr kalten Phasen ggf. 10–20 % mehr Heu einplanen.
- Kraftfutter nur bei Bedarf (Arbeitsleistung, schlechte Futterverwertung).
- Salzleckstein immer verfügbar halten.
!!!️ Wasser nicht vergessen !!!
Gefrorene Tränken sind eines der häufigsten Winterprobleme.
- Täglich kontrollieren, ggf. auch nachts!
- Wenn nötig: lauwarmes Wasser anbieten
- Pferde trinken bei Kälte oft zu wenig → Risiko für Koliken
Siehe auch Blog Beitrag "Wasserbedarf eines Pferdes"
3. Bewegung & Auslauf – ja, aber sinnvoll
Bewegung ist auch im Winter wichtig – für:
- Verdauung
- Durchblutung
- Psyche
Darauf achten:
- Paddocks und Wege möglichst trittsicher halten (Räumen, Sand/Splitt).
- Glatte Eisflächen konsequent sperren.
- Bei starkem Schneefall lieber kürzer, dafür regelmäßig rauslassen.
➡️ Boxenruhe ist im Winter nur selten die bessere Lösung.
4. Eindecken – notwendig oder gut gemeint?
Nicht jedes Pferd braucht eine Decke.
Decke ist aber definitiv sinnvoll bei:
- geschorenen Pferden
- alten oder sehr dünnen Pferden
- kranken Pferden
- längerer Nässe + Wind + wenig Unterstand
Keine Decke oder nur leicht bei:
- gesunden, ungeschorenen Robustpferden
- Offenstallpferden mit trockenem Liegebereich
!!! Wichtig !!!:
- Decken täglich kontrollieren
- Nasse Decken sofort wechseln
Lieber eine gut passende Decke als mehrere übereinander
5. Hufe & Glätte – oft unterschätzt
Schnee und Eis bringen spezielle Risiken:
- Schneeballen → Rutschgefahr
- Aufgeweichte Hufe → empfindlicher
- Wechsel von nass zu gefroren → Spannungen
Praktische Tipps:
- Hufe täglich auskratzen
- Bei Bedarf Huffett sparsam und gezielt
- Bei beschlagenen Pferden ggf. Schneeeinlagen mit dem Hufschmied besprechen
6. Alte & kranke Pferde im Blick behalten
Diese Gruppe braucht jetzt besondere Aufmerksamkeit:
- Gewicht regelmäßig kontrollieren
- Fressverhalten beobachten
- Steifheit, Zittern, Apathie ernst nehmen
Lieber einmal mehr reagieren als zu spät.
7. Wann sollte ich tierärztlich nachfragen?
Bitte melden, wenn:
- das Pferd deutlich weniger frisst oder trinkt
- Koliksymptome auftreten
- starke Lahmheit durch Glätte entsteht
- Husten, Nasenausfluss oder Fieber dazukommen
- ein Pferd trotz Decke friert oder stark abbaut
Siehe auch Poster "Erste Hilfe beim Pferd".
Fazit: ruhig bleiben, gut beobachten, konsequent handeln
Der Winter ist kein Ausnahmezustand, sondern Teil des Pferdejahres.
Mit:
- ausreichend Raufutter
- sicherem Wasserzugang
- Bewegung
- wachem Blick
kommen die allermeisten Pferde gesund durch Schnee und Frost.
Bleibt aufmerksam – aber gelassen. Eure Pferde danken es euch.
Bleibt gesund – und kommt gut durch den Winter.

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